Elbsandsteingebirge und Sächsischer Weinwanderweg
Vierzehn Frauen und sechs Männer führte in diesem Jahr die Wanderwoche des Konstanzer Schwarzwaldvereins in die Sächsische Schweiz und die Weinberge Sachsens. Die Initiative hierzu ging vom Vereinsmitglied Dr. Franjo Kovačić aus, der zusammen mit seiner Frau Angelika die Wanderung vorbereitete und vor Ort den Mitgliedern der Gruppe geduldig und in unverwüstlich guter Laune in allen Fragen der Organisation usw. zur Seite stand. Unterstützt wurde die Gruppe durch die Reiseagentur Corso (Meißen), die u.a. das Gepäck von Hotel zu Hotel chauffierte, gelegentlich auch die Gruppe selbst. Die Hinreise nach Kurort Rathen und die Rückreise von Meißen nahmen jeweils den ganzen Sonntag in Anspruch. Die Wanderung verlief dann folgendermaßen:
Das erste Ziel war am Montag der Kleinen Bärenstein, zunächst unersteigbar erscheinend; doch durch einen engen Kamin kamen wir, teilweise auf allen Vieren, schnell auf das Felsplateau, wo uns eine prachtvolle Aussicht erwartete: bei herrlichem Sonnenschein nahezu über die gesamte Sächsische Schweiz – die Bastei sowie Königstein und Lilienstein, die an diesem Tage noch Ziele unserer Wanderungen werden sollten. Der nächste Tag führte uns von Rathen aus durch das Polenztal in eine phantastisch erscheinende Landschaft aus tiefen Schluchten, hoch aufragenden Felsentürmen, zwischen denen der Weg durch tunnelartige Durchgänge, über schmale Brücken und vor allem über 600 Treppenstufen bergauf und bergab führte. An diesem einzigen Regentag erschien die wilde Felslandschaft in den aufsteigenden Nebeln gerade umso märchenhafter. Von der Bastei aus brachten uns die Busse der Firma Corso zum nächsten Quartier, dem Schlosshotel Pillnitz. Im Schlossgarten zeigte uns Herr Corso die Hauptsehenswürdigkeit: den 250 Jahre alten Kamelienbaum, der – dann durch eine komplizierte Glaskonstruktion geschützt – freilich erst Ende Februar in seiner roten Blütenpracht erstrahlen wird. Eine Unzahl von wunderschönen Villen, meist aus dem 19. Jh., prägten am nächsten Tag den Weg, bis wir schließlich ans Elbufer gelangten und mehr und mehr den Blick auf die berühmte Silhouette Dresdens – Frauenkirche, Hofkirche, Brühlsche Terassen, Semperoper und Zwinger – genießen konnten. Nach Beziehung unseres Quartiers in Dresden-Neustadt war dann auch noch genug Zeit für einen kleinen Stadtbummel.
Von Weinberg zu Weinberg ging es am nächsten Tag, dem 4. September. Nun machte der „Sächsische Weinwanderweg“ seinem Namen wirklich alle Ehre, umsomehr als wir nach steilem Anstieg durch die Rebstöcke oben auf der Terasse des Spitzhauses den Wein sozusagen „gleich von nebenan“ genießen konnten. Dann wieder tief ins Tal – zur nächsten Weinprobe? Doch dem wunderschön angelegten „Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth“ wird man wohl die Ehre erweisen … Ein wenig erschöpft von Weinen und Wegen kamen wir in der (für ihre Abgeschiedenheit recht luxuriösen) Spitzgrundmühle an und freuten uns über das Freiluft-Abendessen im schönen alten Pavillon. „Ihr könnt froh sein, dass wir überhaupt noch Platz für Euch haben“ – so herb empfing uns die 84jährige Chefin der Buschmühle am nächsten Tag zum Mittagessen. Doch erwies sie sich als begnadete Kabarettistin – die nächsten 90 Minuten hielten wir uns den Bauch vor Lachen. Die unattraktive Ebene bis kurz vor Meißen mit Corsos Bussen überwindend, wanderten wir durch das Spaargebirge auf die Stadt zu und gleich hinauf zum Dom, wo wir gerade noch vor Schließung ankamen – und neben der eindrucksvollen Architektur auch die Musik aus Mozarts Requiem genießen konnten, das hier gerade geprobt wurde.
Gemächlich ging es am letzten Tag von Seußlitz aus immer wieder zwischen Weinstöcken in Richtung Meißen – nochmals herrliche Aussichten, die schöne Kirche in Zadel, die die Frauen des Ortes gerade für das Erntedankfest anderntags geschmückt hatten – und zum Schluss als Höhepunkt des Tages und in gewissem Sinne des Weinwanderweges die Weinprobe auf dem Gut des Prinzen zu Lippe, wo zu Sekt und Wein uns der Kellermeister humorvoll und interessant Auskunft zu vielen Fragen des Weinbaus gab.
120 km haben wir insgesamt zurückgelegt und 2.000 Höhenmeter überwunden, phantastische und malerische Landschaften durchquert, schöne Architektur gesehen und insgesamt etwas Einblick in eine von Konstanz aus sehr fern erscheinende Region Deutschlands erhalten. Für alle diese Erlebnisse und Erfahrungen bedankte sich der Vorsitzende des Vereins, Detlef Zilz, bei einem gelungenen Abendessen für alle Mühen der Planung und Durchführung bei unserem trefflichen Wanderführer Franjo und seiner Frau Angelika sowie bei der immer wieder hilfreichen Reiseagentur Corso.
Bericht: Halinka und Gerhard Meiser
Tourdaten:
Schwierigkeit: mittel
Strecke: 120 km ⬌, 2000 hm


