Höhenwanderung Gutachtal

am Sa 16.08.2025 mit Jürgen Gauggel

Zu einer sportlichen Wanderung hoch über dem Gutachtal lud uns Wanderführer Jürgen Gauggel ein.

Neun naturbegeisterte Wanderfreunde machten sich mit ihm auf den Weg. Schon die Anreise mit der Schwarzwaldbahn von Konstanz nach Hausach (242 m ü. NHN) war ein stimmungsvoller Auftakt – die Bahn, pünktlich wie in besseren Tagen, brachte uns zuverlässig ins Kinzigtal. Dort, am Kinzigtaltor, begann unsere sommerliche Etappe auf dem Westweg, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum feiert (https://westweg.de).

Die Burg Husen, stolzes Wahrzeichen Hausachs, grüßte von ihrem Felsen herab, während wir sie linkerhand liegen ließen. Kurz darauf trafen wir auf einen nachgebauten Kohlenmeiler, der an die harte Arbeit der Köhler erinnert: Für den Silbererzabbau wurden Unmengen Holzkohle benötigt – eine mühsame, schweißtreibende Tätigkeit, die im Schwarzwald eine lange Tradition hatte.

Bevor es für uns selbst anstrengend wurde, gönnten wir uns eine erste Rast an der offenen Hodelsteinhütte. Der Natur-Kühlschrank bot erfrischende Getränke – genau das Richtige vor dem steilen Anstieg. Der folgende Weg hinauf zur Hasemann-Hütte auf dem Farrenkopf (790 m) forderte unsere Kondition. Kein Wunder, dass dieser Gipfel den Beinamen „Rigi des mittleren Schwarzwalds“ trägt.

Nach der verdienten Pause und einem kurzem Abstieg führte uns der Weg wieder bergauf zum Büchereck, der Passhöhe zwischen Oberprechtal und dem Gutachtal. Unterwegs zählten wir eine ganze Reihe Windkraftanlagen: zehn bereits bestehende und drei neue, die aktuell errichtet werden. Sie prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern führen auch zu Umleitungen des Westwegs. Im Winter warnen hier automatische Anlagen vor Eisabwurf.

Der Westweg folgt hier der historischen Schanzenlinie. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1714) ließ Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden – der „Türkenlouis“ – entlang wichtiger Höhenzüge Redouten und Wälle errichten, um französischen Truppen den Weg zu versperren. Unsere Route führte vom Mühlebacher Büchereck über die Prechtaler Schanzen bis hin zum Schloss Hornberg – ein lebendiges Freilichtkapitel barocker Festungsgeschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen noch einmal genutzt. So wurden die Prechtaler Schanzen mit Bunkeranlagen und Flakstellungen zur Flugabwehr erweitert.

Die Spuren der barocken Schanzen werden bis heute bewahrt: Der Ortsverein Gutach des Schwarzwaldvereins unter Leitung von Heimatpfleger Jean-Philippe Naudet legt die Schanzen frei und restauriert sie.

Auf dem Abstieg erreichten wir den markanten Huberfelsen. Seine Silhouette erinnert an den Bug eines U-Boots und markiert zugleich die Hälfte des gesamten Westwegs von Pforzheim nach Basel (143 km). Für uns war an diesem Tag schon einiges geschafft: 12,3 km hatten wir in den Beinen – mehr als die ursprünglich angekündigte Gesamtstrecke. Doch mit nur noch sieben Kilometern bis Hornberg lag das Ziel greifbar nahe.

Am Querweg Lahr–Rottweil spendete ein vom Schwarzwaldverein errichteter Brunnen die letzte Erfrischung, bevor uns das Hotel Schloss Hornberg mit seiner Terrasse empfing. Hier krönte eine zünftige Einkehr mit Schwarzwälder Kirschtorte unseren Wandertag.

Fazit: Anders als beim sprichwörtlichen „Hornberger Schießen“ haben wir unser Pulver nicht zu früh verschossen. Wir verteilten unsere Kräfte und meisterten so diese durchaus fordernde, aber überaus lohnende Wanderung. Es war keine 08-15 Tour am 16.08.

Ein herzlicher Dank gilt unserem Wanderführer Jürgen, der uns durch Landschaft und Geschichte gleichermaßen geführt hat.

Bericht und Fotos: Walter Biselli

Tourdaten:

Schwierigkeit: schwer
Strecke: 20 km ⬌, 900 hm ⬈, 750 hm ⬊
Gehzeit: 6 h (sportlich) 

 
Die Tour zum Nachwandern gibt es hier🔗:

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